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Gesundheit„Nicht cool“ - Experte befürchtet wachsenden Lachgas-Konsum

Einatmen und kurz high werden: Lachgas gilt manchen als relativ harmlose Partydroge. Großbritannien und andere Länder in Europa gehen härter gegen den leicht verfügbaren Stoff vor. Was sagen Berliner Suchtexperten?

Von dpa 18.09.2023, 06:45
Ein Straßenhändler verkauft mit Lachgas gefüllte Luftballons in einem Vergnügungsviertel von Amsterdam.
Ein Straßenhändler verkauft mit Lachgas gefüllte Luftballons in einem Vergnügungsviertel von Amsterdam. Annette Birschel/dpa

Berlin - Man kann Patienten damit betäuben, Schmerzen stillen oder auch Sahne aufschäumen. Lachgas ist in den vergangenen Jahren aber auch als Partydroge bekannt geworden. Ein Berliner Suchtpräventionsexperte befürchtet eine künftig weitere Verbreitung des Konsums, gerade bei Minderjährigen. „Das ist gerade ein ziemlich gehyptes Thema“, sagt Marc Pestotnik, Referent bei der der Berliner Fachstelle für Suchtprävention. „Was uns umtreibt, ist der Jugendschutz.“

Auch wenn man noch nicht volljährig ist, könne man hierzulande relativ einfach an Lachgas kommen, etwa über das Internet, sagt Pestotnik. Auch manche Spätis hätten die vermeintlich risikoarme Substanz im Angebot. Sie wird etwa aus Luftballons inhaliert und hat einen Rausch von wenigen Minuten zur Folge. Unter das Betäubungsmittelgesetz fällt sie nicht. „Es gibt sogar verschiedene Geschmacksrichtungen und Werbung, die auf Lachgas-Partys abzielt“, sagt Pestotnik. Dies müsse eigentlich eingegrenzt werden. „Das ist nicht cool, es muss nicht noch attraktiver werden.“

In Großbritannien soll die Substanz als Droge zum Jahresende verboten werden. Bei unberechtigtem Besitz sollen im Zweifel bis zu zwei Jahre Haft drohen. Die Niederlande haben den Besitz und Verkauf von Lachgas bis auf Ausnahmen bereits verboten, auch Dänemark erließ strengere Vorgaben. Und in Paris war es Minderjährigen den Sommer über verboten, Lachgas in Teilen der Stadt dabei zu haben oder zu konsumieren.

Wenn man das leicht süßlich schmeckende Lachgas einatmet, kann laut Pestotnik eine gewisse Benommenheit folgen, auch Halluzinationen, Heiterkeit, Euphorie und besseres Einfühlungsvermögen könnten spürbar sein. Wie häufig Lachgas in Berlin für das kurze High konsumiert wird und von welchen Gruppen, ist bisher nicht untersucht. Es gebe keine Daten, sagt Pestotnik. Die Fachstelle sei aber etwa von Bezirken schon nach Postern zum Thema gefragt worden und habe Erfahrungswerte aus Veranstaltungen an Schulen. „Von Schülerinnen und Schülern kommen zu Lachgas bisher weniger Nachfragen als wir erwartet hätten.“ Es habe in sozialen Medien aber schon Challenges gegeben, also Mutproben, die den Konsum befördern könnten.

„Verbote sehe ich angesichts unserer bisherigen Beobachtungen bei uns erst einmal nicht“ sagt Pestotnik. Aber man müsse hinzuschauen, welche Erfahrungen die anderen Länder machen. Sorgen macht sich Pestotnik weniger wegen des Suchtpotenzials von Lachgas - es sei bei gelegentlichem Konsum nicht riesig. „Aber der Konsum von Lachgas kann starke körperliche Folgen wie Nervenschäden und eine lebensgefährliche Sauerstoffunterversorgung haben, wenn viel hintereinander konsumiert wird.“

Und man müsse gerade bei jungen Minderjährigen die Einnahme unterbinden, da Lachgas die noch nicht abgeschlossene Gehirnentwicklung beeinflussen könne. Auch Unfälle durch einen ungeeigneten Ort der Einnahme seien ein Risiko. „Letztlich muss man da mit Prävention ran, informieren und Risikokompetenzen stärken, damit die Menschen bewusste Konsumentscheidungen treffen können.“

Auf einer Webseite von Berliner Drogenberatern zu Risikominderung beim Konsum wird auch davor gewarnt, dass Lachgas die Wirkung anderer Substanzen verstärken könne. Mische man es mit Ketamin, wachse das Risiko für Nervenschädigungen noch. Wenn man die Substanz inhaliere, solle man zwischendurch Luft holen, den Luftballon mehrmals absetzen und keine größeren Mengen reinen Lachgases inhalieren. Bei Taubheitsgefühl in den Fingern solle man zum Arzt gehen, da es erste Anzeichen einer Nervenschädigung sein könnten. Abschließend heißt es: „Risikofreien Konsum gibt es nicht.“