Chemieindustrie Hunderte Mitarbeiter in Leuna betroffen: Domo-Chemicals-Tochterfirmen sind pleite
Domo Chemicals in Deutschland ist insolvent: 585 Beschäftigte, darunter auch die in Leuna, sind betroffen. Wie es jetzt für die Standorte in Sachsen-Anhalt und Brandenburg weitergehen könnte, prüft der Insolvenzverwalter Lucas Flöther.

Leuna/Premnitz - Drei deutsche Tochtergesellschaften des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals haben Insolvenz angemeldet. Dies trifft auch die Mitarbeiter des Unternehmens in Leuna (Saalekreis).
„Das Tagesgeschäft geht an allen Standorten weiter, Fertigung und Belieferung der Kunden laufen ohne Unterbrechung“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther.
Betroffen sind insgesamt 585 Mitarbeiter, neben denen in Leuna auch die in Premnitz (Brandenburg), sie wurden am Vormittag über die Situation informiert. Die Löhne und Gehälter sind für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert.
Insolvenzverwalter prüft Sanierungsoptionen für Domo Chemicals
Flöther will sich nun ein genaues Bild von der wirtschaftlichen Situation machen und Sanierungsoptionen prüfen. „Wir versuchen, den Betrieb zu stabilisieren“, sagte er. Denkbar seien etwa eine Investorenlösung oder eine Einigung mit den Gläubigern.
Die deutschen Unternehmen der Domo-Gruppe würden zu den Technologieführern ihrer Branche gehören, so Flöther. Zuletzt waren Gespräche über die weitere Finanzierung kurzfristig gescheitert.
Insolvenz trifft besonders Leuna hart
Die Insolvenzanträge betreffen ausschließlich die drei deutschen Unternehmen der Domo-Gruppe. Die meisten Mitarbeiter sind in Leuna beschäftigt, bei der Domo Chemicals GmbH sind es rund 35, bei der Domo Caproleuna GmbH etwa 480.
In Premnitz hat die Domo Engineering Plastics GmbH rund 70 Mitarbeiter. Die drei Unternehmen gehören zu Domo Chemicals, einer Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Gent (Belgien).
Die Gruppe fertigt und vermarktet laut dem Insolvenzverwalter weltweit Polymere, technische Kunststoffe und Hochleistungsfasern für Kunden in der Automobilbranche, für Konsum- und Industriegüter sowie Elektrotechnik und Elektronik. Diese Kunststoffe werden auch im Bauwesen und für Verpackungen verwendet.
Die deutsche chemische Industrie steht derzeit unter erheblichem Druck. Ihr setzen unter anderem Materialknappheit, hohe Energiekosten und ein zunehmend schwieriger internationaler Wettbewerb zu.