Standort-Debatte in Naumburg Cranach-Triegel-Altar wird abgebaut und reist für zwei Jahre nach Rom
Kann ein Kunstwerk stören? Im Naumburger Dom wird derzeit der modern vervollständigte Cranach-Triegel-Altar eingepackt. Seine zweijährige Reise nach Rom soll Zeit geben für eine Standort-Debatte.

Naumburg. – Der Cranach-Triegel-Altar aus dem Naumburger Dom ist ab dem 2. November in Rom zu sehen.
Das Kunstwerk werde derzeit verpackt und gehe am Freitag mit einer Spezialspedition auf die Reise in die italienische Hauptstadt, sagte eine Sprecherin der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg. Begleitet werde der Altar von einem Team von Konservatoren, die ihn auch wieder mitaufbaue.
Cranach-Triegel-Altar: Zeit für eine einvernehmliche Lösung
Für den 2. November sei in der Kirche auf dem Campo Santo Teutonico in der Nähe des Petersdoms eine Feierstunde geplant. Ab dann können Besucher das Kunstwerk dort für zwei Jahre sehen.
Die Zeit soll dafür genutzt werden, um eine einvernehmliche Lösung zum Standort des Altars zu finden. Seit Jahren gibt es Streit um den Standort in der Welterbestätte Naumburger Dom. Eine mögliche Aberkennung des Titels steht sogar im Raum.
Der Leipziger Maler Michael Triegel hatte den zwischen 1517 und 1519 von Lukas Cranach dem Älteren geschaffenen und später teils zerstörten Altaraufsatz vervollständigt. Das Kunstwerk stand erstmalig von Juli bis Dezember 2022 im Westchor des Naumburger Doms – zwischen den berühmten Stifterfiguren wie Uta von Naumburg.
Weltdenkmalrat stört sich am Standort des Cranach-Triegel-Altars
Dann wurde er für etwa ein Jahr im Diözesanmuseum in Paderborn in Nordrhein-Westfalen gezeigt, bevor er zurückkehrte in den Westchor des Naumburger Doms. Die Vereinigten Domstifter sehen den Altar dort an seinem Ursprungsort.
Eine andere Perspektive hat der Weltdenkmalrat Icomos. Er sieht durch das Kunstwerk die Sicht auf die berühmten hochmittelalterlichen Stifterfiguren gestört und fordert die Entfernung des Altars aus dem Westchor.