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Archäologie in Sachsen-Anhalt Sensation! Erstmals Marschlager der Römer in der Region entdeckt

In Sachsen-Anhalt sind erstmals römische Marschlager nachgewiesen worden. Die Funde belegen den bislang am weitesten nordöstlich reichenden Vorstoß römischer Legionen, der etwa 1.800 Jahre zurückliegt.

Von DUR 15.01.2026, 11:00
Ein Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie überprüft eine Eberfibel aus dem frühen 3. Jahrhundert nach Christus. 
Ein Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie überprüft eine Eberfibel aus dem frühen 3. Jahrhundert nach Christus.  Jan Woitas/dpa

Halle (Saale). – Erstmals haben Archäologen römische Marschlager in Sachsen-Anhalt nachgewiesen. Die Lager bei Aken (Landkreis Anhalt-Bitterfeld), Trabitz (Salzlandkreis) und Deersheim (Landkreis Harz) stammen aus dem frühen 3. Jahrhundert und liefern handfeste archäologische Belege für römische Truppenvorstöße in das Gebiet östlich des Rheins.

"Das sind die bislang nordöstlichsten römischen Lager in dieser Region", sagte Landesarchäologe Harald Meller. "Das Gebiet hatten die Römer bereits seit der Zeit des Kaisers Augustus (63 v. Chr.–14 n. Chr.) in ihre Expansionspläne einbezogen."

Ein Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie präsentiert eine römische Münze aus dem frühen 3. Jahrhundert nach Christus. 
Ein Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie präsentiert eine römische Münze aus dem frühen 3. Jahrhundert nach Christus. 
Foto: Jan Woitas/dpa

Immer wieder Vorstöße in das Elbe-Saale-Gebiet

Ab dem Jahr 12 vor Christus versuchte Rom, die Gebiete östlich des Rheins bis an die Elbe als Provinz Germania Magna in das Imperium einzugliedern. Legionen unter Feldherren wie Drusus und Tiberius stießen mehrfach bis in das Elbe-Saale-Gebiet vor.

Archäologisch nachweisbar waren diese Vorstöße in Sachsen-Anhalt bislang vor allem durch Münzfunde und verstreute Hinterlassenschaften römischer Soldaten. 

Varusschlacht war nicht Ende der Expansionsversuche

Einen tiefen Einschnitt für die römischen Expansionspläne markierte die Niederlage des Statthalters Publius Quinctilius Varus im Jahr 9 nach Christus. In der Schlacht im Teutoburger Wald wurden drei römische Legionen aufgerieben.

Eine römische Münze aus dem frühen 3. Jahrhundert nach Christus
Eine römische Münze aus dem frühen 3. Jahrhundert nach Christus
Foto: Jan Woitas/dpa

Der Verlust galt in Rom als traumatisch und führte zum endgültigen Verzicht auf die dauerhafte Eroberung Germaniens östlich des Rheins. Der Rhein wurde zur Grenze des Imperiums.

Die neu entdeckten Marschlager belegen den Angaben zufolge, dass römische Truppen auch lange nach der Varus-Niederlage weit über den Limes hinaus operierten.

Römische Marschlager waren hoch standardisierte, täglich errichtete Militäranlagen mit rechteckigem Grundriss, abgerundeten Ecken, charakteristischen Spitzgräben und Hindernissen.

Luft- und Satellitenbilder für Entdeckung genutzt

Identifiziert wurden die Anlagen anhand von Luft- und Satellitenbildern, auf denen sich die typischen Grabenstrukturen deutlich abhoben. Dokumentiert wurden Spitzgräben von bis zu 1,8 Metern Breite und mehr als 1,5 Metern Tiefe.

Ein Fund von Keramik aus dem frühen 3. Jahrhundert nach Christus liegt im Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie.
Ein Fund von Keramik aus dem frühen 3. Jahrhundert nach Christus liegt im Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie.
Foto: Jan Woitas/dpa

Funde wie Fibelfragmente und Münzen untermauern die römische Herkunft der Anlagen. Zudem lag in Trabitz eine Denar-Münze des Kaisers Caracalla (188 bis 217). Radiokarbon-Daten sprechen ebenfalls für eine Entstehung der Anlagen zu Beginn des 3. Jahrhunderts nach Christus, hieß es weiter.

Funde erweitern Informationen der historischen Quellen

In diese Zeit fallen literarisch überlieferte römische Feldzüge zur Abwehr neuer germanischer Großstämme. Eine spätantike Quelle berichtet, dass ein Feldzug unter Kaiser Maximinus Thrax (173 bis 238) die Legionen mehrere hundert Meilen in germanisches Gebiet geführt habe.

Auch ein Zusammenhang mit einem Feldzug Caracallas im Jahr 213 erscheint nach Einschätzung der Forscher möglich. 

"Der Archäologie gelingt hier der Nachweis römischer Militäroperationen des frühen 3. Jahrhunderts nach Christus, die sich aufgrund historischer Quellen nur schlecht nachvollziehen lassen", sagte Meller.

Bislang wurden die Germanenkriege des 3. Jahrhunderts, insbesondere der Feldzug Caracallas, überwiegend im unmittelbaren Umfeld des römischen Grenzsystems verortet.