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WirtschaftImporte Russland - Sachsen-Anhalt kommen fast zum Erliegen

Vor allem die energieintensive Chemieindustrie in Leuna setzte auf russisches Erdgas und Erdöl. Mit dem Importverbot mussten andere Quellen aufgetan werden. Ganz neu ist die Entwicklung allerdings nicht.

Von dpa Aktualisiert: 07.12.2023, 06:45
Blick auf die Raffinerie in Leuna.
Blick auf die Raffinerie in Leuna. Hendrik Schmidt/dpa/Archivbild

Magdeburg - Die Einfuhr von Waren aus Russland nach Sachsen-Anhalt ist in diesem Jahr fast vollständig zum Erliegen gekommen. Wie aus Zahlen des Wirtschaftsministeriums in Magdeburg hervorgeht, ging der Wert der importierten Waren um 99,1 Prozent zurück. Dies hänge vor allem damit zusammen, dass in diesem Jahr erstmals kein Erdöl und Erdgas von Russland aus nach Sachsen-Anhalt eingeführt worden sei, so ein Sprecher. Zum 1. Januar war ein Importverbot für russisches Öl die EU in Kraft getreten.

Vor allem die energieintensive Chemieindustrie, die für Sachsen-Anhalt so wichtig ist, litt unter dem Einfuhrverbot. Zwar konnten Erdgas und Erdöl aus anderen Ländern importiert werden, allerdings stiegen die Kosten auch um elf Prozent an. Hauptlieferländer sind nach Angaben des Ministeriums in diesem Jahr Norwegen, die Vereinigten Arabischen Emirate und Großbritannien gewesen. Es sei insgesamt sogar deutlich mehr Erdöl und Erdgas importiert worden. So kam auch das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle Ende September zu dem Schluss, dass der im Bundesvergleich deutlichere Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Sachsen-Anhalt sich wohl vor allem auf die Probleme der Chemieindustrie zurückführen lasse.

Einige Importe aus Russland gibt es allerdings noch. Bis Oktober dieses Jahren wurden nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes Waren im Wert von rund 23 Millionen Euro von Russland nach Sachsen-Anhalt importiert. Im gesamten Jahr 2022 waren es inklusive der Öl- und Gasimporten fast 3,65 Milliarden Euro gewesen. Die wichtigsten Importwaren seien vor allem Rohkautschuk und Aluminiumprodukte gewesen, so ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums.

Ganz neu sei die Entwicklung nicht. Noch vor zehn Jahren sei der Import aus Russland noch größer gewesen. 2012 seien Waren im Wert von 6,4 Milliarden Euro importiert worden. Im vergangenen Jahr war es mit 3,6 Milliarden Euro nur noch fast die Hälfte. Auch bei der Ausfuhr gingen die Warenwerte deutlich zurück. Wurden im Jahr 2013 Waren im Wert von mehr als 432 Millionen Euro nach Russland exportiert, waren es in den ersten neun Monaten dieses Jahres lediglich 122 Millionen Euro. Erstmals wurden aber höhere Warenwerte nach Russland exportiert als eingeführt.